Für wen ist dieser Blog?

„I‘ve got no roots!“ singt Alice Merton. Ich liebe diesen Song und lange habe ich genau dieses Gefühl gehabt. Das Gefühl, keine Wurzeln zu haben. Mehr sogar noch. Ich hatte das Gefühl, mich von meinen Wurzeln befreit zu haben. Die Beziehung zu meinen Eltern war noch nie gut gewesen und als ich den Kontakt abbrach, fühlte ich Freiheit.

Ich fühlte mich stark, weil ich endlich zu mir stand - für mich einstand. „I’ve got no roots!“ Als dieser Song 2016 erschien, hatte ich mich nicht nur von meinen Eltern getrennt, sondern auch von meinem Ex-Mann. Mein Leben stand Kopf und ich war auf der Suche, nach mir. Wer bin ich, wenn ich nicht Kind meiner Eltern bin? Wer bin ich, wenn ich nicht verheiratet bin? „I’ve got no roots!“ Ich hatte nichts was mich hält und nichts was mich begrenzte. Glaubte ich zumindest.

Heute weiß ich, dass ich die Grenzen in mir trug. Meine Freiheit war zu Beginn nur eine Rebellion gegen diese Grenzen, aber keine wahre Veränderung. Wenn ich etwas nur mache, weil ich das Gefühl habe, es nicht zu dürfen, akzeptiere ich ja nach wie vor die gleiche Grenze. Ich schlage nur mal über die Stränge.

„I’ve got no roots!“ war eine schöne Idee und für eine Weile auch wirklich wichtig für mich.

Als ich begann mich für wahre Veränderung und spirituelle Entwicklung zu öffnen, bemerkte ich, ganz langsam, aber mit zunehmender Intensität, dass ich ohne Wurzeln keinen Halt habe. Kein Baum kann ohne Wurzeln wachsen. Und wenn er es doch schafft mit ein paar zarten Wurzelchen genug Wasser und Nährstoffe aufzunehmen, um zu wachsen, dann könnte jeder noch so kleine Wind ihn umpusten.

Der Weg, den ich begann zu gehen, erforderte allerdings beides. Enormes Wachstum und stabilen Halt. Ich brauchte also Wurzeln und ich fand sie letztlich in meinem Stammbaum, bei meinen Ahnen.

Unterwegs lernte ich viele Menschen kennen, die ebenfalls aus Selbstschutz und Selbstliebe den Kontakt zu ihren Eltern abgebrochen hatten. In sich die Vergebung zu finden, für das was geschehen ist, ist der erste Schritt zur Heilung. Allerdings bedeutet Vergebung für mich nicht, dass danach wieder alles Friede Freude Eierkuchen ist und fröhlich so weiter gehen kann wie vorher. Ich war und bin nicht bereit meine Eltern wieder Teil meines Lebens sein zu lassen. Ich setze mich nicht mehr der Gefahr aus erneut tief verletzt zu werden. Und so bleibt nach der Vergebung, die Entwurzelung, die ebenfalls geheilt werden darf.

Ich schreibe diesen Blog also einerseits für Menschen, die auf der Suche nach ihren Wurzeln sind, die auf der Suche nach Halt und Geborgenheit sind, in der Familie, die sie gefühlt nie hatten. Die Ahnenarbeit kann hier, meiner ganz persönlichen Erfahrung nach, Wunder bewirken. Ich fühle mich heute wieder mit meiner Familie verbunden. Eine Verbindung die weit zurückreicht. Ich fand dort die Liebe, die ich ihn diesem Leben vermisst hatte. Sie ist ein Teil von mir, denn meine Ahnen sind ein Teil von mir und ich bin ein Teil von ihnen.

In unserer westlichen Kultur ist die Ahnenarbeit verloren gegangen. Unser Verstand hat den Glauben und das Fühlen durch Wissenschaft ersetzt. Umso mehr freue ich mich, dass die Wissenschaft in der Epigenetik auf mehr und mehr Beweise stößt, dass zum Beispiel Traumata genetisch vererbt werden.

Dieser Blog ist andererseits auch für Menschen, die noch ganz intakte Familienbeziehungen haben. Aktuell scheint das Thema Ahnen wieder mehr ins Bewusstsein der Menschen zu rücken. Ahnenforschung online oder DNA-Test um die genetische Herkunft zu analysieren sind im Trend.

Wir spüren, dass uns etwas Wichtiges verloren gegangen ist und wir sind dabei es uns zurück zu erobern, uns zu erinnern. Nicht ohne Grund wurden die Ahnen in allen Kulturen verehrt. Ich werde versuchen, in diesem Blog zu beleuchten, was die Ahnenarbeit für uns tun kann und welchen Mehrwert wir für unser modernes Leben daraus ziehen können.

Magische Grüße

Ilka Sventja

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