Die Rückkehr der Weiblichkeit - Teil 1

Heute hole ich ein bißchen weiter aus, um aus meiner hexischen Perspektive erklären zu können, was gerade geschieht. Darum wird es noch einen Teil 2 geben. Mindestens.

 

Unsere Ahnen hatten, bevor das Christentum hier in Europa den Monotheismus einführte, nicht nur mehrere Götter, sondern vor allem auch weibliche Götter.

Die dreifache Göttin, untrennbar verbunden mit dem Jahreskreis, der Mondin, dem Lebenszyklus, war zentral im Glauben der Menschen. Sie schenkte Leben und nahm es wieder. Fühlt es sich nicht so viel stimmiger an, wenn man diese göttlichen Aufgaben einer Frau zuschreibt, als einem Mann?

Bestimmt kennst du die alten Sagen von der dreifachen Göttin, die sich mal als junges Mädchen, ganz in weiß zeigt, dann als Frau in ihrer Fruchtbarkeit, ganz in rot und schließlich als weise Alte, ganz in schwarz.

Sehr unterschiedliche Aspekte einer Göttin - der Ur-Göttin - die so viele Namen hat. Ich nenne sie am liebsten Frau Holle. Das ist mein Zugang zu ihr. Als Frau Holle ist sie zwar nicht so deutlich als Göttin erkennbar, aber sie verfügt noch über ihre Wandelbarkeit. Unter anderen, christlichen Namen, wurde sie dieser Wandelbarkeit beraubt. Übrig blieb zum Beispiel die heilige Maria, die Mutter Gottes, die nur noch den mütterlichen, nährenden Aspekt verkörpert. Ihr wurde jegliche Wildheit und Weisheit genommen. Selbst die Sexualität wurde ihr genommen. Sie verkörpert zwar ein liebevolles, doch, sind wir ehrlich, verkrüppeltes Frauenbild.

 

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Die Göttin im Jahreskreis

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Egal wie du die dreifache Göttin nennst, ihre Wandlung im Jahreskreis ist ihr auffälligstes Merkmal. Zum Jahreskreisfest Imbolc, dem Lichtfest am 1./2. Februar, legt sie ihr schwarzes Wintergewand ab und erscheint als weiße Jungfrau. Dann steht sie für Neubeginn, für kindliche Neugier und Freude, für Verspieltheit und Ausprobieren. Für Unbeschwertheit, Leichtigkeit und Wachstum.

Sie bleibt in der Gestalt über Ostara, der Frühjahrstagundnachtgleiche, und wandelt sich wieder zu Beltane, dem keltischen Sommeranfang. Das rauschende Fest mit all seiner Wildheit und Ekstase feiert die Fruchtbarkeit der Göttin, die sich ab diesem Fest als vollerblühte Frau ganz in rot zeigt. Nun steht sie für Fülle und Fruchtbarkeit, für pralle Lebenslust, Sexualität und auch für die Ernte.

Erst mit dem letzten der drei Erntedankfeste, mit Samhain, wechselt sie erneut ihre Gestalt. Sie wird zur Alten, zur weisen Frau und kleidet sich in schwarz. Jetzt steht sie für Weisheit, den Tod, das Ende, den Abschied. Für Rückzug, Besinnung und den Kontakt zu den Ahnen in der Anderswelt.

Bis zu Imbolc das Licht wiedererwacht und die Wandlung von Neuem beginnt. Der Zyklus des Lebens. Kindheit, Reife, Alter und Tod. Gefolgt von der Wiedergeburt unserer Seele in ein neues Leben.

 

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Leben in Balance

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Er spiegelt sich nicht nur im Jahresverlauf. Er spiegelt sich in jedem Monat. Gerade mit Blick auf die Göttin, die über ihren weiblichen Zyklus mit der Kraft der Mondin so eng verbunden ist.

Er spiegelt sich in jeder Woche und an jedem Tag. Die dreifache Göttin ist überall. Und das Leben wird leichter, wenn ihr ihrem wandelnden Zyklus folgen, wenn wir die Energien, die sie freisetzt, für uns nutzen.

Doch die Göttin herrschte niemals allein. Sie hatte stets ihren, sich ebenfalls wandelnden Sonnengott an ihrer Seite. Denn so ist unser Leben hier auf der Erde nun mal gedacht. Frauen und Männer wirken zusammen, um den Zyklus des Lebens am Laufen zu halten. Jeder hat seine Aufgabe und gemeinsam entsteht die Magie des Lebens. Sonne und Mond, Tag und Nacht, Yin und Yang, Mutter Erde und Vater Himmel, …

In meinem Podcast erzähle ich die Geschichte des Jahreskreises und wie sich das Götterpaar wandelt im Verlauf der Zeit. Falls Du die Geschichte nicht kennst, dann hör mal rein. Zauber:Sprache "Die Jahreskreisfeste"

Wenn du jetzt mal kurz einen Blick auf das Leben wirfst, wie wir es bis Februar 2020 noch kannten, dann fällt dir vielleicht schon etwas auf. Wo ist die Weiblichkeit in unserer Kultur hin? Wo ist die Verbindung zu den natürlichen Zyklen hin?

Fühlen wir uns als Gesellschaft deshalb so gehetzt, so getrennt, so verloren, so ohne Sinn? Ich denke ja!

 

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Die Auferstehung des Weiblichen

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Letztes Jahr habe ich dann mehr und mehr Impulse bekommen mich mit Frau Holle zu verbinden. Und die Impulse haben mich irritiert, denn es ging darum, dass sie meine Unterstützung braucht. Eine Göttin, die meine Hilfe braucht? Wer bin ich denn, dass ich einer Göttin helfen könnte? Aber die Rufe waren deutlich und eindringlich und wurden immer konkreter.

Vielleicht hast du sie auch empfangen? Ich glaube nämlich, dass wir Frauen alle gerufen wurden und noch immer gerufen werden. Im Oktober schrieb ich einen Text, der vermutlich nichts anderes war als eine Vision, ein Blick zurück, und es erklärte Vieles für mich. Darum möchte ich die Geschichte auch hier nochmal mit dir teilen.

"Es war einmal...

Behutsam legte sie sich neben den verstorbenen Sonnenkönig.

Ein weiterer Zyklus ging zu Ende.

Ein Jahr war vorüber, wie so viele andere zuvor.

Doch dieses war anders. Es war anstrengender gewesen.

Eine Göttin, der das Jahr zu anstrengend war. Darf es so etwas geben?

Neben ihr in der Höhle lag der Körper ihres Gemahls, kalt wie die Erde, die sie umgab.

Er war Symbol für das vergangene Jahr. Symbol für das Vergängliche.

Nur sie selbst verging nie. Sie verwandelte sich nur.

Zu Samhain hatte sie sich wieder verwandelt. In die Göttin der Unterwelt, der Ahnen und Toten.

Diese Gestalt würde sie noch eine Weile behalten, bis die dunkle Jahreszeit vorüber war. Bis sie zu Imbolc wieder als junge strahlende Lichtgöttin, die Sonne zurück auf die Erde brachte.

So lange musste Sie auf ihren Gemahl nicht verzichten.

In wenigen Tagen würde sie ihm seinen Lebensfaden zurückgeben und er würde mit ihr das neue Jahr zeugen, damit ein neuer Zyklus beginnt.

Bis dahin durfte sie ruhen. Endlich ruhen. Was war dieses Jahr so anstrengend gewesen.

Die Menschen vergaßen.

Sie vergaßen ihre Götter. Sie vergaßen ihre Verbindung zur Natur. Vergaßen, dass sie eins sind mit allem.

Sie vergaßen ihre Ahnen. Sie vergaßen die Sprache ihres Herzens. Sie vergaßen sogar ihre Gefühle.

Was ist nur mit den Menschen los? All das Vergessen machte ihr das Jahr so mühsam.

Unachtsam rannten die Menschen durch den Wald. Sie zerstörten mehr und mehr das Gleichgewicht, ohne es zu bemerken.

Die Göttin hatte unglaublich viel zu tun, um für Ausgleich zu sorgen. Dafür wurde ihr nicht mal gedankt, geschweige denn etwas geopfert. Sie bekam immer weniger zurück.

Die Elementargeister hatten sich bereits zurückgezogen. Allein konnte sie das alles nicht mehr bewältigen. Sie war erschöpft.

Sie schmiegte sich an den leblosen Körper neben ihr und schloss die Augen. Nur ein wenig Ruhen. Mit leiser Stimme flüstert sie noch:

„Es geleite mich der Wegerich,

hinunter, hinunter, hinunter,

zu den Ahnen ruft es mich,

hinunter, hinunter, hinunter.

Ich war einst jung und fruchtbar,

ich war einst mächtig und wild,

ich war einst alt und weise,

nun ist Ruhe, bis es von vorne beginnt.“

Dann sinkt sie erschöpft in den Schlaf.

So tief,

dass die Sonnenstrahlen allein, es nicht mehr vermögen, sie zu wecken.“

 

Ich war so berührt, traurig und erschrocken, nachdem ich das geschrieben hatte. Ich verstand, welche Aufgabe da auf mich und viele andere Frauen wartete. Die Erweckung der Göttin zum traditionellen Jahresbeginn Samhain.

Und ich folgte ihren Anweisungen, wie vermutlich viele, viele andere. Ich führte ein Ritual durch und es ist nahezu unglaublich wie viele Hindernisse ich dabei zu überwinden hatte. Da war eine Macht, die dagegenhielt. Hier ist die ganze Geschichte:

 

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Mein Samhain-Ritual

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"Meine Nase läuft und es regnet. Das hatte ich mir anders vorgestellt.

Allein der Aufstieg auf den Berg hat mich an meine Grenzen gebracht. Oder ist es doch die Energie, die versucht mich aufzuhalten?

Auf dem Weg hierher hat sogar unser Auto plötzlich alle Warnlampen angeworfen und drohte mit Motorschaden, wenn wir nicht sofort eine Werkstatt aufsuchen. Den Maderschaden durften wir noch am selben Morgen beheben lassen.

Wir sind trotzdem hier. Es ist noch früh am Morgen, stockfinster dank Neumond. Und nass. Ich schleppe seit ein paar Tagen eine Erkältung mit mir herum und fühle mich wirklich nicht gut.

Trotzdem. Es ist Zeit. Mein Gefühl sagt mir, der Zeitpunkt und der Ort sind die wichtigsten Komponenten in diesem Ritual. Andere Zutaten sind austauschbar. Wie zum Beispiel das Räucherwerk und die Kerzen, die bei dem Regen einfach keine Chance hätten.

Den genauen Platz habe ich am Tag vorher gezeigt bekommen. Ein Eschenblatt, das nur noch eine seiner 'Federn' hatte, segelte wie ein Pfeil zu Boden. Genau an der Stelle, wo der Schatten des Kapellenturms endete. Genau dort wo der Mittelpunkt eines Kreises aus Bäumen und Steinen war.

Genau dort kniete ich mich hin und packte meine Ritualgegenstände aus. Für das Element Feuer sprang spontan eine Prise Lavasand aus Island ein. Dem machte der Regen nichts aus.

Nachdem ich die anwesenden Naturgeister um Erlaubnis gebeten und meinen Schutzkreis gezogen hatte, grabe ich in der Mitte ein kleines Loch. Darum lege ich ein, aus Holunderzweigen gebundenes Dreieck.

Meine Versuche mich in einen meditativen Zustand zu begeben scheitern gefühlt an der laufenden Nase und den Kopfschmerzen. Wenn ich es jetzt so schreibe, war genau das vielleicht auch eine Art Trance, in der ich sein sollte.

Im Vergleich zu anderen Ritualen fühle ich fast nichts. Meine Sinne taub, meine Energie low, ich arbeite ein Rezept ab. Ich muss das jetzt tun. Es ist wichtig. Es geht nicht um mich. Es wird trotzdem wirken.

Also bringe ich in dem Erdloch die Zutaten zusammen, die ich zu Ehren der Erdgöttin mitgebracht habe. Dabei spreche spontan den Text aus Schneewittchen 'weiß wie Schnee, rot wie Blut und schwarz wie Ebenholz'. Ich weiß selbst nicht genau warum. Die Farben der Göttin.

Neun Mal murmle ich dann einen Satz, der die positive Energie, die in diesem Berg ruht, erwecken soll. Ich kann mich nicht mehr an die genaue Wortwahl erinnern. Ich bin nur Werkzeug am diesem Morgen.

Ich fühle nichts, außer, dass es mir schlecht geht. Egal. Es wird wirken. Es geht nicht um mich.

Ich setze den kreisrunden Grasbüschel wieder in das Loch ein, aus dem ich ihn vorher ausgestochen habe. Dann gieße ich ein wenig von dem mitgebrachten Feenwasser darüber.

Fertig? Es fühlt sich nicht fertig an. Aber mehr gibt es nicht zu tun. Ich packe alles wieder ein. Bis auf das Dreieck aus Holunderzweigen. Das will bleiben. Fertig? Ich denke ja. Ich fühle nichts. Ich will zurück in mein Bett.

Erst als ich aufstehe fällt mir auf, dass es hell geworden ist. Alles hat pünktlich zu Sonnenaufgang stattgefunden. Wie geplant."


Die Zeit verging und ich wusste nicht sicher, ob das, was ich getan hatte, wirkte. Doch die Rauhnächte waren intensiv wie nie und als das Jahr 2020 startete, mit dieser unfassbar starken und viel weiblicheren Energie, da wusste ich es:

Wir waren erfolgreich! Die Göttin ist erwacht und mit ihr die lang vermisste, wahre Ur-Kraft des Weiblichen. Spürst du es auch?

Was das jetzt bedeutet? Darum geht es in Teil 2


Fortsetzung folgt…

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